Leitbild

Im NSU-Rechercheblog soll Hintergründiges und Vordergründiges beleuchtet und zueinander in Beziehung gesetzt werden.
nsu-opfer

Seit der Aufdeckung der über dreizehn Jahre im Untergrund agierenden Gruppe um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos nach dem 4. November 2011 sind unzählige Tatsachen, Behauptungen, Zeugenaussagen, Analysen und Einschätzungen über das „Trio“ zusammengetragen worden.
Konsequenterweise ermittelt das BKA sowie der Generalbundesanwalt auf der Prämisse, dass es sich bei den zehn Morden, die zwischen September 2000 und April 2007 stattfanden (neben mutmaßlich vierzehn Banküberfällen und mindestens zwei Bombenanschlägen), um ein Täter-Trio handelt – wie die Bezeichnung der Ermittlungsgruppe „BAO (=Besondere Aufbauorganisation) TRIO“ beim Bundeskriminalamt nahelegt.
Auch der Münchener Prozess geht von dieser Prämisse aus. Dass es an der Trio-Theorie – denn nichts anderes legt der Ermittlungsstand bisher nahe, als dass es sich um eine Theorie handelt – erhebliche Zweifel gibt, legen die mannigfaltigen Berichte verschiedener Quellen der Verfassungsschutzämter und Polizeien dar.

„NSU-Recherche“ bedient sich offener Quellen, wie den sinngemäßen und wortgetreuen Protokollen aus dem Münchener NSU-Prozess, welche der Öffentlichkeit durch die wunderbare und dankenswerte Arbeit der Initiative NSU-Watch zur Verfügung gestellt werden.

Teile der Analyse basieren auf den Berichten der Untersuchungsausschüsse des Bundes und der Länder, wobei hier insbesondere die Pionierarbeit des Thüringer Untersuchungsausschusses hervorgehoben werden muss, welcher sowohl in Sachen Schonungslosigkeit der Fragestellung und des Aufklärungswillens, als auch im Bereich der interfraktionellen Zusammenarbeit Maßstäbe gesetzt hat.

Darüber hinaus zieht „NSU-Recherche“ Erkenntnisse aus Ermittlungsakten der regionalen Polizeibehörden, des Bundeskriminalamts und der Generalbundesanwaltschaft sowie aus Einschätzungen und Berichten der Verfassungsschutzbehörden.

Zum Umgang mit Informationen, deren Verbreitung und Einordnung gelten folgende Selbstverpflichtungen:

1. Qualitätssicherung und Evidenzprüfung
Hinweise und Informationen werden einer mehrfachen Plausibilitätsprüfung unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Quellen unterzogen.
Selbst wenn mehrere Quellen auf ein und den selben Sachverhalt hindeuten, ist dies kein strenger Beweis und wird entsprechend markiert.

2. Umgang mit personenbezogenen Daten und Bilddarstellungen von Einzelpersonen
Personenbezogene Daten sowie Bilddaten zu Einzelpersonen werden anonymisiert bzw. geschwärzt, es sei denn, die Person
– ist Angeklagt im Münchener NSU-PROZESS
– wurde bereits mit Namen und/oder Bild durch Medienberichte enttarnt
– ist nach Abwägung aller für- und widersprechenden Tatsachen dem engsten Umfeld des sog. NSU-Kerntrios zuzuordnen, und damit selbst hinreichend tatverdächtig für mindestens Beihilfehandlungen
– hat durch Handlungen und/oder Unterlassungen, ohne dem engsten Umfeld anzugehören, im sog. NSU-Komplex eine Rolle inne, die nach allgemeiner Auffassung der umfassenden Aufklärung bedarf

3. Umgang mit Verschlusssachen
„NSU-Recherche“ arbeitet zu einem nicht unerheblichen Teil mit Verschlusssachen. Von diesen Verschlusssachen ist insbesondere im Bereich der V-Personen wesentlicher Inhalt der Öffentlichkeit bekannt bzw. spätestens durch den Vorhalt des Münchener OLG-Senats in öffentlicher Verhandlung publik geworden.
Die Veröffentlichung von wesentlichen Inhalten der Verschlusssachen geschieht unter der Wahrung der personenbezogenen Daten der sachbearbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundes- und Landesbehörden und evtl. auch von Zielpersonen, die sich schlussendlich nicht als relevante Spuren innerhalb des NSU-Komplexes erweisen.

4. Achtung der Menschenwürde
Im Unterschied zu einigen anderen Webblogs, die ohne Ansicht der betreffenden Personen, auch intimstes Material oder gar Obduktionsbilder von Opfern und Tätern veröffentlichen, verzichtet „NSU-Recherche“ ausdrücklich darauf. Erstens erwächst durch die Abbildung kaum ein Erkenntnisgewinn und zweitens würde eine unbedachte und/oder unkritische Veröffentlichung die eliminatorische Missachtung der Menschenwürde nur perpetuieren.

Gerade der letzte Punkt, die Achtung der Würde des Menschen als sowohl erster und letzter Grund aller Grund- und Menschenrechte, fordert alle mit der Aufklärung des NSU-Komplex beschäftigten dazu auf, nicht zu vergessen, für wen alle diese Anstrengung unternommen werden sollte:

Zum Gedenken der getöteten zehn Menschen
und ihrer Angehörigen.

Ihnen gilt unsere ungeteilte Solidarität. Und unsere Bemühung.

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