V-Personen


Tino Brandt // Kai Dalek // Marcel Degner // Andreas Rachhausen // Tibor Retz // Thomas Richter // Michael See // Carsten Szczepanski // Achim Schmid // Toni Stadler // Thomas Starke // Juliane Walther // Die „Rennsteig“-Gruppe // Thomas Dienel

Tino Brandt („Otto“ / „Oskar“) – TLfV

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Erkennungsdienstliches Foto der Kriminalpolizeiinspektion Coburg, 1997

Der Rudolstädter Brandt (geb. 1975) zählte bereits kurz nach der Wende zu den energischsten und aufstrebenden Jungnazis. Bereits beim Rudolf-Heß-Gedenkmarsch 1992 in Wunsiedel marschierte er als 17-jähriger an vorderster Front mit. Auf die Selbstmotivation angesprochen, sagte Brandt in einem Interview 1994, es gehe ihm und seiner Generation von jungen Nationalisten darum, selbst Politik zu machen. Während seiner Lehre in Regensburg knüpfte er intensive Kontakte zu Personen aus organisatorischen Ausläufern der „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“, welche vom 1991 verstorbenen westdeutschen Neonazi-Führer und Multifunktionär Michael Kühnen gegründet worden war. Zu dieser Zeit entsteht auch der Kontakt zu Kai Dalek.
Von den Einflüssen der westdeutschen Kameraden, zu denen zur damaligen Zeit insbesondere Christian Worch aus Hamburg gehört („er habe ausgezeichnete Kontakt zu Christian Worch aus Hamburg, dieser steuere alle Aktionen in Thüringen“, so Brandt bei einer Polizei-Vernehmung im Frühjahr 1994, vgl. Aust/Laabs, „Heimatschutz“, S. 107) inspiriert, gründet Brandt die „Anti-Antifa Ostthüringen“, welche ganz in der Tradition der von Blood & Honour initiierten „RedWatch“ steht: Sammeln von Daten, Fotos politischer Gegner, deren Observation, szene-internes Outing und offene Aufforderung zu Gewalthandlungen.
1994 wird Brandt vom Thüringischen Verfassungsschutz als V-Mann „Otto“ geworben. Brandt, seit 1997 auch Kopf des Thüringer Heimatschutzes, gilt offiziell seitdem als die Topquelle innerhalb der Thüringischen Kameradschaftsszene.
Ausweislich der Vorhaltungen aus dem NSU-Prozess sowie der Überstellung von Quellenberichten des TLfV an den Generalbundesanwalt, berichtete Brandt regelmäßig über Thüringer Aktivitäten, Strukturen und nach dem 26.01.1998 auch über szeneinterne Diskussionen über das Untertauchen des gesuchten TRIOs:

Quelle: Schreiben des TLfV an den Generalbundesanwalt, „Erkenntnisse des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz“ zum gesuchten TRIO, 30.11.2011

Bereits 1998 ist Brandt mindestens wohl darüber informiert und involviert, die Gesuchten im Untergrund zu schützen und/oder ins Ausland zu verbringen. Dafür fungiert er u.a. als Geldbeschaffer für neue, falsche Ausweisdokumente und hält den Kontakt zum deutschen Neonazi Dr. Claus Nordbruch, welcher in Südafrika lebt. Tatsächlich ist Brandt 1999 in Südafrika bei Nordbruch zu Gast und nimmt dort an Wehrsportübungen teil.

2001 wird Brandt durch den damaligen Leiter des TLfV, Dr. Helmut Röwer, erst abgeschaltet, kurz darauf von dessen Nachfolger unter dem neuem Decknamen „Oskar“ reaktiviert, bis er im Frühsommer des selben Jahres durch Presseberichte als V-Mann enttarnt wird.

Seit Sommer 2014 sitzt Brandt wegen des Verdachts, junge Männer zur Prostitution angehalten zu haben, in Untersuchungshaft. Als Zeuge ist Brandt bisher am 15./16.07.2014 beim NSU-Prozess vernommen worden.
Auf die vielfältigen, wortgetreuen Vorhalte aus seinen eigenen V-Mann-Berichten durch den Vorsitzenden Richter Götzl entgegnete Brandt bisher immer, dass er an spezifische, das TRIO betreffende Äußerungen keine Erinnerung habe:

Vorhalt: Wohlleben, Christian Ka. und Quelle [Brandt, Anm. d. V.] hätten sich unterhalten, als Ka. von einem B&H-Mann, 185-190 cm groß, schlank, blond, Ziegenbart, 25 bis 30 Jahre alt, auf seine neue CD “Eichenlaub” mit dem Liedtitel “5. Februar” angesprochen worden sei; der Chemnitzer habe gesagt, dass sie sich keinen Gedanken zu machen bräuchten, den Dreien gehe es gut. Brandt sagt, er erinnere sich an den Vortrag von Edda Schmidt, aber nicht an das Gespräch. Er verneint auch, eine Vorstellung zu haben, um wem es sich bei dem B&H-Mann handeln könnte. Vorhalt: Nach schroffer Erwiderung von Wohlleben habe sich der Gesprächskreis aufgelöst und der Chemnitzer habe sich mit Sandro Tauber unterhalten. Das sei durchaus möglich, sagt Brandt. An ein Gespräch mit Wohlleben habe er keine Erinnerung, sagt der Zeuge auf Frage.
(Protokoll 128. Verhandlungstag, 16.07.2014, Quelle: nsu-watch.info)

Kai Dalek („Tassilo“) – BayLfV

Dalek kommt ursprünglich aus Berlin, wo er in der Jugendzeit in linken Gruppen mitarbeitete. Spätestens seit seinem Umzug nach Bayern wandte er sich rechtsradikalen Gruppen zu.
Dalek war bereits Ende der 1980er Jahre ein Führungskader verschiedener von Michael Kühnen gegründeten Neonazi-Organisationen, wie der „GdNF“ und der „Deutschen Alternative“, welche sich aus dem Kühnen-treuen Flügel der „FAP“ rekrutierte. Ab 1988 war er Führer der „Antikommunistischen Aktion“, welche ein damaliger Vorläufer der Anti-Antifa war. Als Administrator war Dalek jahrelang verantwortlich für das „Thule-Netz“, in welchem Anfang der 1990er Jahre über Mailboxen z.B. Bauanleitungen für Sprengsätze publiziert und geteilt wurden.
Dalek war spätestens ab 1994 V-Mann des BayLfV und war seit kurzem Mentor des Rudolstädter Kameradschaftsführers Tino Brandt, welcher mit Dalek im „vertraulichen Einvernehmen“ seine Tätigkeit für das TLfV mit Dalek absprach, wahrscheinlich über dessen Tätigkeit für die Bayerischen Behörden jedoch nicht im Bilde war.

Dalek verantwortete 1994 die Anti-Antifa-Broschüre „Der Einblick“:
Darin waren mehr als 250 Namen und Adressen von politischen Gegnern genannt, verbunden mit dem Aufruf, diesen „unruhige Nächte“ zu bereiten und sie „endgültig auszuschalten“.“
Nach seinem angeblichen Ausstieg Ende der 1990er Jahre soll er später verdeckte Ermittlungen für den Bayerischen Verfassungsschutz im Bereich Organisierte Kriminalität durchgeführt haben.

Bereits 1997 warnte das Bundeskriminalamt, mit Hinweis auf Quellen wie z.B. Dalek, dass VS-Quellen sich gegenseitig anstacheln könnten und somit, staatlich gesteuert, ein „Brandstifter-Effekt“ eintreten könnte.

Marcel Degner („Hagel“) – TLfV

Degner war Leiter der Thüringischen Sektion von „Blood & Honour“ sowie der Bundeskassenwart der Organisation. In seinen Treffberichten gegenüber dem TLfV im Sommer 1999 wies er auf Spendensammlungen für das gesuchte TRIO hin. Durch Konzerte des „B&H“-Netzwerkes, welche er selbst in Zusammenarbeit mit der Brandenburger Sektion durchführte, akquirierte Degner selbst Spendengelder für Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Seinem V-Mann-Führer berichtete Degner darüber hinaus über die frühere Beziehung Zschäpes zum „B&H“-Kader Thomas Starke (V-Mann des Berliner LKA). Degner wurde 2001 enttarnt und lebt heute wohl im Ausland (s. Aust/Laabs).
Seine Akte im TLfV wurde vernichtet.

Andreas Rachhausen (GP „Alex“) – TLfV

Andreas Rachhausen („Alex“)

Rachhausen (Jg. 1972) gehörte bereits Anfang der 1990er Jahre zu den führenden Neonazis Rudolstadts. So war er 1992 Anmelder des Rudolf-Heß-Gedenkmarschs und zur selben Zeit mit Sven „Rosi“ Rosemann (1993 Zellengenosse von Uwe Böhnhardt in der JVA Hohenleuben) Anführer der Skinhead-Szene Rudolstadts und organisierte Wehrsportübungen und war wohl auch kurzfristig als Fremdenlegionär tätig (vgl. Aust/Laabs, S. 103).
Nach Aussage des ehemaligen Leiters des Saalfelder Staatsschutzes (Abt. K33) war Rachhausen bereits ab 1991 führender Kopf der Neonazi-Bewegung im Landkreis mit ca. 15-20 Anhängern. (vgl. Katharina König, haskala.de)

Einer drohenden Haftstrafe entzog sich Rachhausen durch Untertauchen beim Altnazi und Holocausleugner Thies Christophersen. Rachhausen soll während seiner Haftzeit 1996 vom TLfV geworben worden sein, von ihm sind nur noch zwei Quellenberichte auffindbar. Er ist involviert in die Flucht des TRIOs, indem er auf Bitten Ralf Wohllebens kurz nach der Flucht das ramponierte Fluchtfahrzeug von der Autobahn Richtung Chemnitz zurück nach Thüringen brachte. Dies verschwieg er seinem V-Mann-Führer.
Im Münchener NSU-Prozess ist Rachhausen bisher vier Mal vernommen worden.

Tibor Retz (GP „Tristan“) – TLfV

Tibor Retz wurde im November 2013 durch die Anwältin Ralf Wohllebens, Nicole Schneiders, als „GP“ des Thüringer Verfassungsschutzes enttarnt. Zusammen mit Ralf Wohlleben war Retz Anfang der 2000er Jahre Mitglied im Kreisvorstand der NPD Jena.
Retz berichtete dem Verfassungsschutz Thüringen im Jahr 2001, dass er das gesuchte TRIO kennen würde und dass es sich in Chemnitz verstecken würde.

Quelle: Bericht des TLfV an den Generalbundesanwalt vom 30.11.2011

Laut Aussage des V-Mann-Führers Norbert Wießner war „Tristan“ innerhalb der Operation Rennsteig, einer gemeinsamen Operation des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) sowie der Verfassungsschutzbehörden Bayern und Thüringens angeworben worden

Quelle: Thüringer Abschlussbericht 5/1, S. 1802 – Sondervotum Die LINKE

Retz soll nach seiner Wehrdienstzeit vom MAD angeworben sein im Rahmen der „Operation Rennsteig“. Er wäre damit einer der wenigen dokumentierten „Rennsteig“-Fälle.

Thomas Richter („Corelli“) – BfV

Thomas Richter, „Corelli“

Richter wurde 1974 in Halle/Sachsen-Anhalt geboren. Noch vor seinem 18. Geburtstag dient sich Richter selbst der Polizei an. Zu der Zeit ist er Mitglied der neofaschistisch-revisionistischen NSDAP-AO und nimmt dort Führungsaufgaben war (vgl. Aust/Laabs, S. 94). Die NSDAP-AO wurde 1972 in den USA gegründet und hatte in Deutschland u.a. die Neonaziführer Christian Worch und Michael Kühnen als Mitglieder.
Nachdem er von mehreren LfV geführt wurde, landete er 1994 beim Bundesamt für Verfassungsschutz, welches ihn fortan bis zu seiner Enttarnung im Jahr 2012 führte.
„Corelli“ war szeneintern vor allem dafür bekannt, auf Demonstrationen immer mit Kamera anwesend zu sein, um den politischen Gegner zu fotografieren – eine klassische Anti-Antifa-Tätigkeit. Er war hervorragend innerhalb der militanten Neonaziszene vernetzt und unter anderem den Gruppierungen „Blood & Honour“ sowie dem „Ku-Klux-Klan/European White Knights (KKK/EWK)“ um Achim Schmid eng verbunden. Nach seiner Enttarnung wurde Richter ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Er starb im April 2014 in seiner Wohnung bei Paderborn an undiagnostizierter Diabetis – nur einige Wochen nachdem ein V-Mann des Hamburger Verfassungsschutzes seinem Amt eine CD mit rechtsradikaler Propaganda übergab, die jener bereits im Jahr 2003 von Richter erhalten haben will.

Michael See, jetzt von Dolsperg („Tarif“) – BfV

Michael von Dolsperg (geb. See) als kommunaler NPD-Kandidat 2001

1974 im Thüringischen Leinefelde geboren, ist Michael See seit Anfang der 1990er Jahre in der neonazistischen Szene unterwegs und saß ab 1991 eine Haftstrafe wegen versuchtem Totschlags an einer linken Jugendlichen ab. Nach seiner Haftentlassung wird er von einem Kameraden bei einer weiteren Festnahme wegen schwerer Körperverletzung belastet, Waffendepots angelegt zu haben und eine Wehrsportgruppe aufzuziehen. Das daraufhin geführte Verfahren gegen See und andere durch die Bundesanwaltschaft ist im Jahr 1994 das erste was wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung in den neuen Bundesländern geführt wurde. Nach zwei Monaten wird dieses Verfahren eingestellt. Er tritt der FAP bei und wird sogar Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen. Zu dieser Zeit (Oktober 1994) bietet sich See selbst dem BfV als V-Mann an. (vgl. Aust/Laabs, S. 99f.) Er ist Herausgeber des neofaschistischen Blattes „Das Sonnenbanner“, welches sich intensiv mit der Konzeption des „Führerlosen Widerstands“ beschäftigt: der anonymen, maximal drei-köpfigen Untergrundkampfgruppe, die aus dem Nichts heraus Morde und andere Aktionen als Terrorgruppe verübt, um sodann wieder in der Anonymität zu verschwinden. Er zog 2001 nach Niedersachsen und kandidierte dort erfolglos unter dem Nachnamen seiner Frau für die NPD bei den Kommunalwahlen. 2002 zog er mit seiner Frau nach Schweden. Seine letzten Zahlungen vom BfV soll er 2002/2003 bekommen haben. (vgl. Thüringer Abschlussbericht 5/1, S. 1804 – Sondervotum Die LINKE)

Carsten Szczepanski („Piato“) – Brandenburg LfV

"Piato" mit T-Shirt der Terrorgruppe "Combat 18"
„Piato“ mit T-Shirt der Terrorgruppe „Combat 18“

Der Westberliner (Jg. 1970) war bereits in seiner Jugend Anhänger der dortigen Neonazi-Szene und zog nach der Wende in das umliegende Königs-Wusterhausen, wo er schnell einer der einflussreichsten und aggressivsten Neonazis war. Zu der Zeit beginnt seine Kontaktaufnahme zum US-amerikanischen „Ku-Klux-Klan“ und zum Umfeld des englischen „Blood & Honour“-Netzwerks. Er wird Herausgeber des „KKK“-Fanzines „Feuerkreuz“.
1992 ist Szczepanski am rassistisch motivierten Mordversuch gegen den nigerianischen Asylsuchenden Steve E. beteiligt. Er und seine Freundin sollen Anwesende angestachelt haben, E. zu schlagen und gar – im Stile des und unter Ausruf „KKK“ – zu hängen. Fast 2 Jahre lang wird Szczepanski dafür nicht belangt, da er von Kameraden gedeckt wird. Im 1994 wird er wegen Beihilfe zum versuchten Mord in Untersuchungshaft genommen. Er wurde 1995 zu 8 Jahren Haft verurteilt und bekam (als Selbstanbieter) bereits ab dem 2. August 1994 in U-Haft Besuch vom Brandenburgischen Verfassungsschutz. „Piato“ wurde damals unter anderem vom jetzigen Präsident des Sächsischen Verfassungsschutz, Gordian Meyer-Plath, geführt und vom Amt in Potsdam während des Freigangs zu Neonazi-Treffen kutschiert und mit Mobiltelefonen ausgestattet.

Werner [Jan Werner, d. V.] sendete am 25. August 1998 um 19:21 eine legendierte SMS an Szczepanski, welche lautete: „Hallo, was ist mit den Bums“. Es ging um Waffenbeschaffung für das untergetauchte „NSU-Kerntrio“. Die Thüringer Ermittler überprüften das Handy, stellten fest, dass es zum entsprechenden Zeitpunkt in Chemnitz eingeloggt war und auf das Innenministerium Brandenburg registriert war. Die Ermittlungen endeten. „Piatto“ jedoch teilte den Versuch der Waffenbeschaffung durch Jan Werner dem Brandenburger Verfassungsschutz mit.

(Thüringer Abschlussbericht 5/1, S. 1805 – Sondervotum Die LINKE)

„Piato“ war frühzeitig über das Untertauchen eines per Haftbefehl gesuchten Trios informiert.
Der frühere Kamerad Nick Greger, der 2006 öffentlichkeitswirksam der neonazistischen Szene den Rücken gekehrt hatte, belastet Szczepanski schwer. So soll Szczepanski nach Vorbild von „Combat 18“ in Berlin eine rechtsterroristische Zelle gegründet haben, welche u.a. Sprengstoffanschläge und Morde an politischen Gegnern verüben sollte.
Szczepanski wird 2000 enttarnt und durch die Sicherheitsbehörden mit neuer Identität und Papieren ausgestattet.

 

Achim Schmid (Deckname unbek.) – BW-LfV

Achim Schmid mit entsprechendem Pullover
Achim Schmid mit entsprechendem Pullover

Schmid (Jg. 1975) war in den 1990er Jahren vor allem bekannt als Gründer und Frontmann verschiedenster RechtsRock-Bands („Wolfsrudel“, „Höllenhunde“, „Celtic Moon“). Von 1998 bis 2003 war er Mitglied der „International White Knights of the Ku Klux Klan“, danach der Gruppe „European White Knights of the Ku Klux Klan“ (EWK).
Schmid gründete einen „KKK“-Ableger in Halle, welchem zwischenzeitlich auch Thomas Richter („Corelli“) angehörte. Der Gruppenführer der 2007 ermordeten Michèle Kiesewetter gehörte einer „KKK“-Gruppierung in Schwäbisch-Hall an, welche von Schmid seinerzeit geführt wurde.
Schmid tauchte im jahr 2000 bei einer Hausdurchsuchung des Andreas Graupner (siehe Aktenvermerk Tino Brandt) als Kontaktperson auf einer Adressliste auf.
Schmid wurde 2012 als V-Mann des Baden-Württembergischen Verfassungsschutzes enttarnt. Das Landesamt bestätigte dies 2013. Mittlerweile lebt Schmid in Boostedt, nördlich von Hamburg (Quelle Bild.de).

Toni Stadler (Deckname unbek.) – Brandenburg LfV

Stadler (Jg. 1975) war zu Jugendzeiten Mitglied der später verbotenen „FAP“ und später Aktiv in der militanten Neonazi-Szene in Cottbus und Guben. 1997 gründete er eine Reservistenkameradschaft in Guben, nutzte als Obergefreiter a.D. die Reservistenstrukturen und führte Wehrsportübungen durch.
Er war in die Produktion und den Vertrieb der CD „Noten des Hasses“ des rechtsradikalen Musikprojekts „White Aryan Rebels“ involviert und wurde im Zusammenhang mit einer möglichen weiteren CD der Gruppe abgehört. Das LKA Berlin hatte durch die Überwachung im Jahr 2002 von seiner V-Mann-Tätigkeit erfahren. Stadler war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre im Dienst des Brandenburger Verfassungsschutzes. Er wurde daraufhin abgeschaltet und mit einer neuen Identität ausgestattet (Quelle: nsu-watch.info).
Im Rahmen der Ermittlungen zum NSU-Prozess kam heraus, dass ein Dortmunder Taxifahrer, welcher der Dortmunder Polizei als VP „Heidi“ zuarbeitete, Toni Stadler habe im März 2006 versucht, scharfe Waffen aus Tschechien in Dortmund zu verkaufen. Am 1. Juni 2006 habe sich laut „Heidi“ Stadler mit Uwe Mundlos in der Dortmunder Nordstadt, einem Hotspot der dortigen Neonazi-Szene, getroffen – nur drei Tage vor dem Mord an Mehmet Kubaşık am 4. Juni 2006 (Vgl. Thüringer Abschlussbericht 5/1, S. 1806 – Sondervotum Die LINKE).

Thomas Starke (VP 562) – Berliner LKA

Starke (Jg. 1967) war bereits zu DDR-Zeiten aktiv in der ostdeutschen rechten Hooliganszene. Er war zu der Zeit Anhänger de FC Karl-Marx-Stadt und prügelte sich vorzugsweise mit Anhängern des beim Stasi-Chef so beliebten FC Dynamo Dresden. Bereits in den 1980er Jahren wird Starke V-Mann der Kriminalpolizei der DDR, für die er ab dem 11. April 1986 als „Inoffizieller Kriminalpolizeilicher Mitarbeiter“ (IKMR) u.a. die Struktur seiner eigenen Gruppe, „Satan Angels“, ausspioniert (vgl. Aust/Laabs, S. 25).
Nach der Wende lernt Thomas Starke auf einem Konzert der Gruppe „Oithanasie“ im Jahr 1991 den Jenaer Kameradschaftsaktiven Stefan Apel lernen, welcher mit seiner Cousine Beate Zschäpe sowie Mundlos und Böhnhardt gekommen ist.
An Fasching 1994 überfällt Starke zusammen mit u.a. Uwe Mundlos eine private Geburtstagsfeier von Bundeswehrangehörigen in Einsiedel mit Steinen, Zaunlatten und dergleichen an. Die Soldaten waren der Gruppe von ca. 15 Personen hoffnungslos unterlegen und zogen sich im Pionierheim, wo die Feier ausgerichtet wurde, zurück. Der Staatsschutz Chemnitz kann über Mittäter Thomas Starke ermitteln, welcher später für diese Tat zu drei Jahren Haft verurteilt wird. Seinen Mittäter Uwe Mundlos deckte er in dieser Angelegenheit. Er ging straffrei aus. (Vgl. Aust/Laabs, S. 71f.)
Thomas Starke war nach der Haftentlassung ab Ende 1996 einige Monate mit Beate Zschäpe liiert und lieferte dem TRIO zu der Zeit ca. 1 Kilo Sprengstoff.
Dem gelüchteten TRIO organisierte Starke nach dem 26.01.1998 die erste Unterkunft in Chemnitz.
Auf Vorhalt der Polizei bestätigte er damals die Vermutung von Nachbarn, dass es sich bei einem seiner Besucher um Uwe Mundlos gehandelt habe. Ab dem Jahr 2000 arbeitete er der Berliner Polizei im Verfahren um das Verbot der Neonazi-Band „Landser“ zu und wurde seitdem als Vertrauensperson des Berliner Landeskriminalamtes geführt.
Zu den Untergetauchten berichtete er dem Berliner LKA in mindestens fünf Fällen (vgl. Thüringer Abschlussbericht 5/1, S. 1807 – Sondervotum Die LINKE).
Anfang 2011 wurde er enttarnt. Er ist im NSU-Prozess mehrfach als Zeuge geladen worden, hat von seinem Aussageverweigerungsrecht als Beschuldigter (nicht Angeklagter!) jedoch umfassend Gebrauch gemacht.

Juliane Walther (GP „Jule“) – TLfV

Juliane Walther war Ende der 19909er Jahre aktiv in der Kameradschaft Jena und zeitweilig die Lebensgefährtin des Angeklagten Ralf Wohlleben. Am Tag der Garagendurchsuchung in Jena (26.01.1998) erschien Walther während bei der Wohnungsdurchsuchung des Uwe Mundlos mit einem Wohnungsschlüssel des Mundlos sowie zwei Tage nach dem Untertauchen des TRIOs bei der Jenaer Polizei mit einer unterschriebenen Vollmacht der Beate Zschäpe und drängte auf Herausgabe von deren Wohnungsschlüssel. Sie soll von den dreien beauftragt worden sein, in zusammen mit der Mutter von Uwe Mundlos ein Konto auf dessen Namen anzumelden.

Schreiben des TLfV an den Generalbundesanwalt, 30.11.2011
Schreiben des TLfV an den Generalbundesanwalt, 30.11.2011

Im Sommer wurde sie erfolgreich vom TLfV als „GP“ geworben und war damit direkt angesetzt auf Ralf Wohlleben und die Gesuchten. Nach der Trennung von Wohlleben wurde die Zusammenarbeit mit Walther eingestellt. Bei Juliane Walther ist es zumindest unklar, ob sie vom Verfassungsschutz aktiv dazu gedrängt wurde, tiefer in die Szene einzusteigen, was sie zu der Zeit mutmaßlich nicht wollte, (vgl. PUA-Ticker von Katharina König, haskala.de)

Jedenfalls hatte sie noch längere Zeit nach dem Abtauchen der Gesuchten mit diesen Kontakt.

Die Rennsteig-“Gruppe“

„Rennsteig“ war eine gemeinsame geheimdienstliche Operation von MAD, BfV sowie Bayerischem und Thüringer Verfassungsschutz.

Ziel der Aktion war, die neonazistischen Szenen in Thüringen und Bayern aufzuhellen. In Thüringen war dabei der Thüringer Heimatschutz von besonderem Interesse. Die Operation sollte V-Leute im Bereich der Kameradschaftsszenen werben und begann mit Hilfe des MAD bereits mit Ansprachen z.B. von rechten Wehrdienstleistenden, die dann an die verschiedenen Ämter übergeben werden sollte, falls eine Werbung erfolgreich verlaufen wäre.

Von konkreten V-Personen aus der Rennsteig-Operation sind bis auf wenige Ausnahmen („Tarif“ alias Michael See, sowie „Tristan“ alias Tibor Retz) die meisten Akten nach dem 4.11.2011 vernichtet worden. Lediglich einige Decknamen sind überliefert: „Treppe“, „Tobago“, „Tonfall“, „Tonfarbe“, „Tusche“, „Tinte“, „Terrier“, „Trapid“.

 

Thomas Dienel („Küche“) – TLfV

Thomas Dienel 1991, Screenshot von Spiegel TV

Thomas Dienel (Jg. 1961) war nach eigenen Aussagen und nach vielfältigen Szene-Einschätzungen Anfang der 1990er Jahre einer der führenden Neonazis in den neuen Bundesländern.

Im Oktober 1992 begleitet ein Team von Spiegel TV eine Gruppe um Thomas Dienel zu einem verlassenen NVA-Übungsplatz, auf dem öffentlichkeitswirksam Nahkampf und Angriffe auf Asylbewerberheime simuliert werden – darunter, vermummt, Sven Rosemann, der kurze Zeit später Zellengenosse von Uwe Böhnhardt in der JVA Hohenleuben wird (vgl. Aust/Laabs, S. 53).

Im Februar 1993 wird Dienel selbst zu einer Haftstrafe verurteilt. Spiegel TV hatte auf einer Veranstaltung Dienels „DNP“ gefilmt und O-Töne ausgestrahlt:

In Auschwitz wurde niemand umgebracht. Und ich sage: Leider wurde niemand umgebracht!“ (Quelle: Spiegel TV)

Ab Januar 1996 war Dienel unter dem Decknamen „Küche“ V-Mann des TLfV. In mehr als 90 Treffen berichtete Dienel intensiv über die rechte Szene. Nach eigener Aussage (im Spiegel TV Bericht), war ihm der Thüringer Verfassungsschutz in der Denunziationskampagne gegen den Geschäftsführer der Gewerkschaft HBV Angelo Lucifero aktiv behilflich. Am Ende wurde dadurch die Wahl Luciferos in den Aufsichtsrat der Thüringer Landesbank verhindert.

Der vom späteren Thüringer Innenminister, Karl-Heinz Gasser, verantwortete „Untersuchungsbericht über in den Medien dargestellte Vorgänge in dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz und deren Auswirkung auf die Funktionsweise des Amtes – VS-NfD“ (sog. „Gasser-Bericht“) stellt für die Tätigkeit Dienels für das Landesamt ein durchwachsenes Zeugnis aus. So galt Dienel als psychopathisch, mit Hang zu Alkoholismus und übertriebenem Hang nach Geltungsdrang. Eine Zusammenarbeit mit Dienel wird im Jahr 1997, nach Aktenlage, beendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch aus politischer Sicht war die Tätigkeit Dienels für das Amt höchst unsensibel.“ ist das Resümee des damaligen „Gasser-Berichts“

2001 wird Thomas Dienel enttarnt.

 

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